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ChatGPT mit personalisierter Werbung künftig auch in Europa

OpenAI plant, dass zeitnah in der Europäischen Union personalisierte Werbung bei der Nutzung von ChatGPT ausgespielt werden soll, so wie es in anderen Ländern bereits praktiziert wird (in den USA seit Februar 2026, mehr dazu in den FAQs und den Datenschutzerklärungen von OpenAI). Welche Werbeanzeige in einem Chat angezeigt wird, entscheidet OpenAI zukünftig in Echtzeit, indem hierfür frühere und aktuelle Chats, Geräte- sowie Kontextinformationen der Nutzenden ausgewertet werden. Wer etwa nach Rezepten sucht – oder in der Vergangenheit danach gesucht hat –, sieht möglicherweise Anzeigen für Kochboxen oder Lebensmittellieferungen. Die Werbung soll zwei Nutzergruppen von ChatGPT betreffen: die kostenlose Variante und ChatGPT Go, ein Abo-Modell für 8 Euro monatlich.

Die personalisierte Werbung soll auf Basis einer datenschutzrechtlichen Einwilligung erfolgen (weitere Informationen in den FAQs und Datenschutzerklärungen von OpenAI). Als Alternative soll die Nutzungsmöglichkeit ohne personalisierte Werbung angeboten werden. Diese soll nach Angaben von OpenAI mit begrenzten Daten erfolgen, die für den aktuellen Kontext relevant sind, und weder die Erstellung noch die Nutzung von Nutzerprofilen beinhalten. Auch bei dieser Variante werden der Kontext des aktuellen Chat-Threads und grundlegende Kontextinformationen wie allgemeiner Standort oder Sprache für Werbezwecke verwendet. Die Verarbeitung von personenbezogenen Daten für diese Form der Werbung stützt OpenAI auf ein überwiegendes berechtigtes Interesse gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO.

Der LfD Niedersachsen sieht in der Auswertung der Chats zu Werbezwecken ein erhebliches datenschutz- und persönlichkeitsrechtliches Risiko. Dies begründet sich vor allem aus der Nutzung von ChatGPT in allen Lebensbereichen und zu allen denkbaren – bis hin zu höchstpersönlichen – Themen. OpenAI hat in einer Studie ausgewertet, dass etwa die Hälfte der Nachrichten (49 %) zur Kategorie „Fragen“ gehöre, eine wachsende und hoch bewertete Kategorie, die zeige, dass die Menschen ChatGPT vor allem als „Berater“ schätzen und nicht nur zur Erledigung von Aufgaben (siehe OpenAI). Daraus ergibt sich gegenüber der Ausspielung von personalisierter Werbung auf Webseiten oder in Suchmaschinen ein wesentlicher Unterschied: Die Profilbildung basiert nicht nur auf dem Nutzungsverhalten im Web unter der Einbeziehung der Eingabe von allgemeinen Suchbegriffen, sondern es wird erstmals umfangreiche „Chat-Kommunikation“ für die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen für personalisierte Werbung ausgewertet. KI-Chatbots werden von den Nutzenden zunehmend als persönliche Gesprächspartner und -partnerinnen statt als Maschinen wahrgenommen und mit ihnen wird entsprechend „vertraut“ agiert. Die Auswertung der Chatinhalte wird daher die Qualität der Persönlichkeitsprofile erheblich steigern und bis in die Intimsphäre hineinreichen. Zudem werden sich Stimmungen der Nutzerinnen und Nutzern in Echtzeit feststellen lassen.

ChatGPT ist in Deutschland der am meisten genutzte KI-Chatbot (siehe Statista). Der LfD Niedersachsen möchte die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer von ChatGPT auf diese Entwicklung aufmerksam machen und Hinweise für Maßnahmen zum Selbstdatenschutz geben.

Es lohnt sich – auch angesichts der neu eingeführten Werbefunktion in ChatGPT –, sich mit den inzwischen zahlreichen KI-Chatbot-Alternativen auseinanderzusetzen. Aus Perspektive des Datenschutzes sind beispielsweise Produkte mit weitreichenden Privacy-Funktionen sowie europäische Anbieter vorzugswürdig, weil bei ihnen die Rechtsdurchsetzung für europäische Nutzerinnen und Nutzer eher möglich ist.

Wer ChatGPT weiterhin nutzen und die Profilbildung zu Werbezwecken aus den Chats weitmöglichst beschränken möchte, sollte wie folgt vorgehen:

  • ChatGPT in den werbefreien Varianten Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu nutzen.
  • Keine Einwilligung in personalisierte Werbung erteilen.
  • Prüfen, ob die Werbepersonalisierung in den Datenschutzeinstellungen aktiviert ist und gegebenenfalls deaktivieren.
  • Die Funktion „Erinnerungen“ deaktivieren und vorhandene „Erinnerungen“ löschen
  • Verwendung der Chats zur Modellverbesserung deaktivieren
  • Für sensible Themen die Funktion „Temporärer Chat“ verwenden
  • Keine vertraulichen oder geheimhaltungsbedürftigen Informationen in ChatGPT eingeben
  • Regelmäßig den Chatverlauf löschen

Artikel-Informationen

erstellt am:
01.10.2026

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